Herausgegeben von Château Louis, dockzwoelf und Franz-Reinhard-Habbel.



 
EDITION 04 | 27. Juni 2020
Liebe Entscheider*innen,
Kommunen, die jetzt vorausschauend und entschlossen handeln und die richtigen Maßnahmen ergreifen, werden besser für die Zukunft gerüstet sein als andere. Die Kontaktbeschränkungen während der Coronakrise haben unseren Blick auf das Zusammenleben verändert und uns allen deutlich vor Augen geführt, wie wichtig der Zusammenhalt auf allen Ebenen der Gesellschaft ist. Zunächst waren es die einfachen, ganz praktischen Dinge, die gebraucht wurden wie Nachbarschaftshilfe, Einkaufen und Kontakt halten. Viele Bürger*innen haben sich aktiv engagiert und konnten Großes bewirken. In der aktuellen Phase stehen wir nun als Gesellschaft vor neuen Herausforderungen. Es gilt die Zukunft neu zu gestalten und dabei alle mitzunehmen. Die Ideen jedes Einzelnen sind wichtig und werden gebraucht. Denn wir sehen heute wieder mehr denn je, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist. Sie zu stärken ist Aufgabe von uns allen – und gelingt am besten aus den Kommunen heraus. Dass diese Arbeit nicht nur mühsam ist, sondern auch Freude machen und das Gemeinschaftsgefühl stärken kann, zeigen die Beispiele unseres heutigen Newsletters. Vielleicht inspiriert es ja auch Sie, in Ihrer Stadt oder Gemeinde neue Schritte zu wagen.

Wir von Stadtklar sind eine Initiative der Kommunikations- und Markenagentur Château Louis, den digitalen Zukunftsgestaltern dockzwoelf und dem Autor und Mitherausgeber von Kommunal Franz-Reinhard Habbel und wir haben alle etwas gemein: Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit Themen rund um Stadt und Kommune und sind Experten in verschiedenen Bereichen. Das betrifft den Umgang mit digitalen Anforderungen und Chancen, mit philosophischen, möglichst greifbaren Ansätzen, mit handfesten, praktischen Ideen und mit wirkungsvoller Kommunikation.

Mit unserem Newsletter möchten wir sowohl für Krisenzeiten als auch für die Zukunft Orientierung geben – mit Ideen und Inspirationen, die zum Handeln anregen. Es geht um neue Perspektiven und die positive Kraft der Veränderung.

Wir freuen uns, wenn wir Sie dabei unterstützen können.

Ihr Stadtklar-Team
Ludwig Silbermann, Detlev Bernhart, Fabian Kehle und Franz-Reinhard Habbel
 
BÜRGERRAT
Update für die Demokratie – jetzt auch im Bundestag
Der Deutsche Bundestag hat letzte Woche erstmals die Installation eines Bürgerrats beschlossen und erprobt damit nun auch diese neue Form der dialogischen Bürgerbeteiligung, die in vielen Kommunen bereits erfolgreich zum Einsatz kommt. Um die Rolle Deutschlands in der Welt zu beleuchten, sollen 160 per Los ausgewählte Bürger*innen an drei Wochenenden im Austausch mit Expertinnen und Experten diskutieren und Handlungsempfehlungen erarbeiten. Anfang 2021 soll das Bürgergutachten dann vorliegen. Damit stärkt die Bundesregierung die Bedeutung der Zivilgesellschaft und das Vertrauen der Politik in die Bürger*innen. Ein wichtiger Schritt in die Zukunft mit Vorbildfunktion. „Gerade weil die wachsende Komplexität im rasanten gesellschaftlichen Wandel die repräsentative Demokratie noch wichtiger macht, sollten wir dafür sorgen, dass sie wieder für mehr Bürger interessant wird und sie sich wirklich vertreten fühlen“ meint auch Wolfgang Schäuble.

Eine lohnenswerte Aufgabe, die es nun für Bund und Länder anzupacken gilt – aber mehr noch für Städte und Gemeinden mit ihren vielen Möglichkeiten für direkte Begegnung und Dialog.
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INTERDISZIPLINÄRER DIALOG
Raus aus dem Elfenbeinturm
Wenn die Hochschule den Kontakt zu den ansässigen Unternehmen und den Bürger*innen sucht, um gemeinsam mitten in der Stadt über soziale Projekte in Wirtschaft und Gesellschaft nachzudenken, dann sind wir in Ludwigshafen.

Letzte Woche startete dort das Projekt „Social Innovation Lab“ der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. In dem „Creative Space“ – einem für vielfältige Aktivitäten ausgestatteten Raum mitten in der Fußgängerzone – wird künftig gemeinsam an Lehr- und Forschungsprojekten gearbeitet. Wie wollen wir künftig leben? Wie wollen wir uns bewegen? Oder wie lassen sich junge Frauen für IT begeistern, um die Entwicklung der KI nicht allein den männlichen Vorstellungen zu überlassen? Unterstützt und gefördert durch verschiedene Stiftungen, werden hier in Zukunft solche Fragen im interdisziplinären Dialog unter die Lupe genommen.

Die wegweisende Idee dahinter: Raus aus dem Elfenbeinturm, rein ins Leben – im direkten Kontakt mit verschiedenen Menschen, Gruppen und Disziplinen. Einen vielfältigen Ort der Begegnung schaffen, um den Dialog zu fördern und kreativ zu werden. Eine Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit, Hochschule und Unternehmen. So kann Bürgerbeteiligung gelingen; offen und sichtbar für alle und ein echtes Sinnbild für Transparenz, Gemeinsinn und Engagement. Die richtigen Signale für die Zukunft unserer Städte. Vielleicht lässt sich ja auch bei Ihnen ein solcher Ort initiieren – viele Institutionen, Vereine und Bürger stehen für Kooperationen schon in den Startlöchern.
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DIGITALE INITIATIVE
Wie wollen wir 2030 leben? Auf die Ideen, fertig, los!
Oldenburg ist bekannt für seine vielfältigen Initiativen und Projekte, die das Zusammenleben der Oldenburger nachhaltig verändern. Ob Repair Cafés oder offene Räume für Technikaffine und Kreativschaffende; hier wird Hilfe zur Selbsthilfe geboten, gemeinsam repariert, gebastelt und geplant. Jetzt geht es um etwas Großes: die Zukunft – und dabei um die Frage, wie das Zusammenleben im Jahr 2030 aussehen soll. Der virtuelle Hackathon #OL2030 ruft derzeit in digitaler Form die Bürger*innen auf, mit Ideen und Konzepten bei der Zukunftsgestaltung mitzumachen.

Tolle Idee, bereits schon sehr früh das größte Kapital einer Stadt bei der Stadtentwicklung miteinzubeziehen und das Potential seiner Bewohner*innen zu nutzen. Denn alles, was Menschen selbst gestalten, werden sie auch mittragen. Mehr Identifikation geht nicht. Wann starten Sie Ihren regionalen Hackathon #...2030?
#OL2030 →

Wie sehr sich das gesellschaftliche Engagement insgesamt wandelt und dabei vor allem immer digitaler wird, zeigt der neue Engagementbericht der Bundesregierung. Ob Hackathon oder eine der vielen anderen Formen von digitalem Engagement – ganz sicher gibt es auch für Ihre Bedürfnisse eine passende, innovative Idee.
Engagement wird digitaler →
 
STARKE GEMEINSCHAFT
🙋‍♂️ Hallo, ich bin Ihr Nachbar! ☕️🍷
Früher hat man beim Einzug an der Tür geklingelt und sich mit einem „Auf gute Nachbarschaft!“ vorgestellt. Heute öffnen einem zunehmend soziale Plattformen die Türen zum Nebenan. Hier vernetzen sich Menschen auf kleinster geografischer Ebene, tauschen Ratschläge – oder Backpulver – aus, verabreden sich zum Radfahren oder verschenken das ausgediente Puppenhaus. Fast wie früher.

Die Plattform nebenan.de macht das seit 5 Jahren besonders gut und hat aktuell durch die Coronakrise für viele User einen neuen Stellenwert bekommen. Durch Social distancing haben sich die nachbarschaftlichen Beziehungen hier sogar deutlich intensiviert. Ein klarer Beleg dafür, dass der Wunsch nach Beteiligung und bürgerschaftlichem Engagement derzeit extrem groß ist.

Was nebenan.de für größere Städte ist, sind kleinere Nachbarschaftsnetzwerke wie DorfFunk für ländlichere Gebiete. Auch dort steigt das Bedürfnis nach Nähe und guter Nachbarschaft. Städte und Gemeinden können hier einen wichtigen Beitrag leisten und diese Netzwerke aktiv fördern und unterstützen. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist dabei riesig. Ob Sie bestehende Netzwerke für überraschende Aktionen nutzen oder, wie Freiburg es gemacht hat, selbst eine Community aufbauen – in jedem Fall tragen Sie zu einem guten Miteinander, zu mehr Engagement und damit auch zur Lebensqualität in Ihrem Ort bei. Gerne denken wir mit Ihnen gemeinsam über den ersten Schritt nach…
nebenan.de →
DorfFunk →
Freiburg hält zusammen →
 
JUGENDBETEILIGUNG
Ansprache auf Augenhöhe
Der Jugend wird nachgesagt, dass sie sich nicht für Politik interessiert. Nicht nur mit „Fridays for Future“ haben sie jedoch bewiesen, dass dem keineswegs so ist. Jugendproteste richten sich dabei aber oft gegen die aktuelle Politik und gegen die etablierten Strukturen. Sie fordern neue Wege, neue Visionen – genau das, was Politik zur Weiterentwicklung auch fortlaufend braucht. Wie gut wäre es also, wenn man hier konstruktiv zusammenarbeiten könnte und woran liegt es, dass das so selten gelingt?

„Anbiedernd, hölzern, paternalistisch. Wenn SPD und CDU sich an junge Leute wenden, wird es schnell peinlich“ meint die bei Jugendlichen beliebte Journalistin Vanessa Vu von „Zeit Online“.
Neben einer verständlichen Sprache kommt es auch darauf an, die Themen zu behandeln, die junge Menschen tatsächlich interessieren. Auch Jugendparlamente oder Petitionen sind oft nicht mehr zeitgemäß und die weitverbreiteten textbasierten Beteiligungsformate wirken auf Generation Y und Z eher demotivierend. Ein echtes Problem für die repräsentative Demokratie.

Nicht nur auf Landesebene, auch auf kommunaler Ebene wird die Beteiligung der Jugend immer wichtiger und es braucht dringend geeignete Konzepte und eine Sprache, die ankommt. Die Suche nach vorbildlichen Projekten zeigt, dass gute Lösungen alles andere als einfach zu finden sind. Um so wichtiger ist es mit neuen Ideen zu experimentieren. Ob mithilfe von Bild- und game-basierten Verfahren, der Errichtung eines Demokratielabors oder mit ganz anderen Formaten – immer gilt es dabei über seinen Tellerrand zu blicken und diejenigen, um die es geht, einfach auch mal machen zu lassen... Wir könnten überrascht werden!
jugend.beteiligen.jetzt  →
Demokratielabor Stuttgart  →
Vanessa Vu im Interview →
 
SOZIALES ENGAGEMENT
Win-Win mit Balu und Du
Julia ist Monas Balu und Mona ist Julias Mogli. Wie im Dschungelbuch kommen sie aus ganz unterschiedlichen Welten. Und doch werden sie Freunde und lernen viel voneinander – dank dem Verein „Balu und Du“. Eine Konzeptidee, die inzwischen groß und stark geworden ist. Die Balus werden dabei von qualifizierten Fachkräften angeleitet, die den Paten mit gutem Rat zur Seite stehen. Lehrer*innen an den Grundschulen können Kinder, die besonderer Fürsorge bedürfen, für das Balu und Du-Programm empfehlen. Junge, engagierte Leute übernehmen dann ehrenamtlich die Patenschaft für ein Kind. Sie verbringen Freizeit miteinander und helfen ihnen, die Herausforderungen des Alltags erfolgreich zu meistern. Es geht um Hinschauen, da sein, Aufmerksamkeit und Wertschätzung – das, was viele Kinder in ihren Familien vermissen.

Die Teilnahme am Mentoringprogramm hat nachweislich positive Wirkungen, sowohl auf die Moglis als auch auf die Balus. Eine Win-Win-Situation – auch für die Städte. Menschen, die eine positive Anbindung an den Ort ihrer Kindheit haben und dabei Wertschätzung für sich und andere gelernt haben, kommen gerne wieder und geben das Engagement mit Freude zurück.

Doch wie junge Leute und Fachkräfte zum Mitmachen gewinnen? Am Ende ist das natürlich eine Frage der richtigen Kommunikation. In diesem Fall muss sie vor allem aufklärend, begeisternd und motivierend sein – und am besten die ganze Stadt mit ihren Möglichkeiten und ihren Menschen miteinbeziehen.
Verein Balu und Du →
Beispiel Freising →
 
KULTURELLES ENGAGEMENT
In kurzer Zeit Taten schaffen!
Die Gemeinde Kalbe im Altmarkkreis Salzwedel hat eine sehr geringe Einwohnerdichte. Immer mehr junge Leute ziehen weg, Arbeitsplätze sind knapp und es gibt viel Leerstand. Toll, wenn auch die Bürger*innen mit guten Ideen mitdenken, um gegen Verödung und Abwanderung anzugehen. Wie Corinna Köbele, die bereits 2013 den Verein „Künstlerstadt Kalbe“ ins Leben gerufen hat, um aus dem vorhandenen Leerstand, Räume für kulturelles Leben und insbesondere für die Kunst zu schaffen. Vielfältige Aktionen beleben auf diese Weise nicht nur den Ort, sondern machen ihn auch zu einer Anlaufstelle für Kunst- und Kulturschaffende und prägen damit das ganze Image der Stadt. Kalbe ist inzwischen eine „Künstlerstadt“.

Als konsequente und nachhaltige Weiterentwicklung startet Corinna Köbele jetzt ein neues Projekt – das „Gründerlabor“. Ziel ist es, neue Arbeitsplätze in Kalbe und damit Bleibeperspektiven zu ermöglichen. „Das Gründerlabor ist eine neue Idee, um gemeinwohlorientiert zu arbeiten. Wir wollen damit Wirtschaftskreisläufe neu organisieren und Arbeitsplätze vor Ort schaffen“, erzählt Köbele. Förderer des Projekts sind unter anderem die Robert-Bosch-Stiftung, das Innovations- und Gründerzentrum BIC in der Altmark und die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt.

Ihre Tipps, um selbst kreative Ideen umzusetzen: „In kurzer Zeit Taten schaffen. Also nicht viel reden, sondern einfach machen. Gemeinschaft stiften mit dem gemeinsamen Tun. Außerdem der eigenen Idee trauen – egal, was die anderen sagen. Und immer weiter daran arbeiten und darüber erzählen.“ Dem haben wir nichts hinzuzufügen. Außer, dass es sich lohnt Ausschau zu halten nach außergewöhnlichen Menschen vor Ort, deren Ideen Unterstützung verdienen.
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FRANZ-REINHARD HABBEL EMPFIEHLT
Gelungener Dialog à la française
Bürgerbeteiligung ist Wertschätzung. Die Französische Regierung rief im vergangenen Jahr einen Bürgerkonvent ins Leben, bestehend aus 150 per Zufall ausgewählten Französinnen und Franzosen. Neun Monate lang haben die sich immer wieder getroffen, debattiert und schließlich 150 Umwelt-Vorschläge ausgearbeitet. Diese wurden jetzt vorgestellt. Es ist ein Experiment der Demokratie, Präsident Emmanuel Macron will mit mehr Bürgerbeteiligung u.a. auf die Gelbwestenbewegung zugehen. Das Ergebnis des Bürgerkonvents war überwältigend. 95 Prozent der 150 per Zufall ausgewählten Bürgerinnen und Bürger hatten am Ende für die gemeinsame Abschlusserklärung gestimmt. Zu den Vorschlägen zählen zum Beispiel Geschwindigkeitsreduzierungen auf Autobahnen, das Festschreiben des Klimaschutzes in der Verfassung aber auch die Schaffung eines eigenen Straftatbestandes des Verbrechens gegen den Umweltschutz. Macron will die Teilnehmer des Bürgerkonvents erneut persönlich empfangen. Die damit verbundene Wertschätzung ist es, Bürgerbeteiligung auf Augenhöhe ernst zu nehmen und nicht nur Alibi-Veranstaltungen durchzuführen. Die Potenziale der Zivilgesellschaft sind unendlich, sie sind eine Quelle ständiger Modernisierung und eine Antwort auf die Krise der Demokratie. „Wir haben gemeinsam während dieser Monate eine völlig neue und intensive menschliche Erfahrung gemacht, die uns allen gezeigt hat, wie unglaublich notwendig eine tiefgreifende Veränderung unserer Gesellschaft und unserer Art zu leben ist.“
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STADTKLAR ZUM NACHLESEN

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